Cursus A






Lektion 41


Ende gut, alles gut
DAE: Ich fürchte, dass meine Frau mich wegen euch aus dem Haus ausschließt. Sie könnte sagen, dass ich mich mit den Geliebten vor ihren Augen hinführte. Deshalb sollt ihr auf den Altar der Venus flüchten. PAL: Wir Unglücklichen sind verloren. DAE: Ich werde mich anstrengen mit Venus der guten Göttin, dass ihr heil und unversehrt seid. Habt keine Angst. Ich werde mich um euch kümmern als wenn ihr meine Töchter wärt. GRI: Oh Hausherr sei gegrüßt! DAE: Sei auch du gegrüßt, worum gehts? Worum streitet ihr euch untereinander in so überaus feindlicher Gesinnung. Soll ich euch nicht zu Hilfe kommen? Welcher Mensch kann wohl solch eine große Frechheit ertragen? TRA: Ich habe den Koffer mit einem Netzt aus dem Wasser gezogen, daher ist er mein. Und alles was in ihm enthalten ist soll auch mir gehören. Trachelius erfindet Gründe, denn er selbst will den Koffer haben. DAE: Was sagst du Trachelius? TRA: Ich fordere den Koffer nicht für mich sondern für diese jungen Mädchen welchen du geschützt hast. DAE: Meinst du die, die in Athen frei geboren ist wie sie selbst sagte. TRA: So ist es. DAE: Wir werden in den Koffer hineinschauen, zu Palaestra aber sage mir vorher ist dies dein Koffer? zu Gripus: Schweig! PAL: So ist es GRI: Hoffentlich vernichtet dich Jupiter und die Götter dich nicht. DAE: Reg dich nicht auf Gripus! Dir Palästra werde ich alles zu-rückgeben was deins ist. Lasst uns den Koffer öffnen. Lasst uns nicht zögern. Lasst uns sehen was drin ist. PAL: Es sind Rasseln die ich als Kind bei mir hatte(wörtlich: Es sind die Rasseln die ich als Kind führte) DAE: Das seh ich auch. GRI: Ich habe in der ersten Schlacht verloren. Was sind dafür Buchstaben auf diesem kleinen Schwert geschrieben? PAL: Es ist der Name meines Vaters der Mond. GRI: Ich bin verloren beim Herkules, ich Unglücklicher. DAE: Bei den unsterblichen Göttern, dies muss meine liebe Tochter sein, die Götter wünschen das ich gerettet bin. GRI: Doch das ich verloren bin. PAL: Sei gegrüßt mein unverhoffter Vater. DAE: Sei gegrüßt süßeste Tochter! Wie gern umarme ich dich. TRA: Es ist eine Freude, dass euch dies wegen eurer gegenseitigen Zuneigung gelungen ist.

Lektion 42


Gegen die Römer!
Mir gefallen zwar eure Meinungen überhaupt nicht, weder die derjenigen die sich den Römern ausliefern wollen, weder die jener die einen Ausbruch billigen. Ich werde jene außer Acht lassen welche die überaus schändliche Sklaverei fälschlich Kapitulation nennen. Ich setzte mich aber mit denen aus einander die durch einen Ausfall wagen sich dem Tod auszuliefern. Dies ist Willensschwäche und nicht Tapferkeit. Nämlich die Notlage nicht länger ertragen zu können. Warum vertraut ihr nicht euren Verwandten und Blutsbrüdern die mit gewaltigen Truppen hier her aufgebrochen sind. Schon morgen kann es passieren, dass diese angekommen sind. Lasst uns im Vertrauen auf ihre Hilfe die Lei-den ertragen. Zusammen mit diesen wird es uns gelingen den Belagerungsring zu durchbrechen. Dann werden die Feinde erfahren die sich schon auf die Niederlage der Gallier gefreut haben, dass sie sich vergeblich gefreut haben. Dann wird geschehen, dass wir in diesem Krieg siegen. Deshalb denkt an ganz Gallien. Lasst euren Freund durch euren Tod nicht im Stich. Macht was unsere Gefährten im Krieg wagten zu tun. Diese haben in einer ähnlichen Notlage durch die derer die zum Krieg untauglich schienen das Leben ertragen. Wenn ihr deren Beispiel um der Freiheit willen nachahmen werdet, werdet ihr dies mit vollem Recht tun. Die Kimbern und Teutonen hatten nicht die Gewohnheit im Gebiet derer zu bleiben, die sie im Krieg besiegt hatten. So sind sie auch irgendwann aus Gallien abgezogen und niemals wieder zurückgekehrt. Sie haben uns unsere Rechte, unsere Gesetze, unsere Äcker und unsere Freiheit (zurück)gelassen. Die Römer aber erstreben etwas Anderes oder wollen etwas Anderes, als sich von sich von ihrer Missgunst getrieben auf unseren Ländereien niederzulassen und uns ewige Knechtschaft aufzuerlegen. Sie haben nämlich niemals unter einer Bedingung Kriege geführt. Berücksichtigt die anderen Gegenden und Völker die, seitdem sie von den Römern unterworfen worden sind, von ewiger Knechtschaft unterdrückt werden.

Lektion 43


Macht des Schicksals
Seneca grüßt seinen Freund Lucilius Mit Freude habe ich von denen die von dir kommen erfahren, dass du vertraut mit deinen Sklaven zusammen lebst. Dies passt zu deiner Bildung und zu deiner Klugheit, allerdings unterscheidest du dich dadurch von den meisten, denn sie sind äußerst hochmütig grausam und unmenschlich ihren Sklaven gegenüber, und sie gebrauchen sie nicht wie Menschen sondern missbrauchen sie sogar als Lasttiere. Irgendeiner wird sagen: Sie sind Sklaven, weise diese Meinung so zurück: Im Gegenteil, es sind Menschen und Mitglieder der Hausgemeinschaft und Freunde niederen Standes. Warum suchst du das Forum und die Kurie auf um irgendwelche Freundschaften zu schließen Du hast aber die Möglichkeit zu Hause Freunde zu finden. Versuche es und du wirst die Erfahrung machen. Wenn irgendeiner weiter sagen sollte: Sie sind Sklaven, dann antworte ihnen mit beinah denselben Worten. Es sind Mit-Sklaven. Denn wer weiß nicht, dass dem Schicksal dasselbe gegenüber beiden möglich ist. Erinnere dich an jene Niederlage des Varus.Damals überraschte das Schicksal viele junge Männer aus den bedeutendsten Familien die durch ihren Militärdienst große Hoffnung hatten den Rang eines Senatoren zu erreichen. Den einen machte sie zum Hirten den anderem zum Sklaven. Es gibt also keinen vernünftigen Grund irgendeinen Menschen wegen seines Schicksals zu verachten. Denn während du sie verachtest kannst du genau dasselbe Schicksal erleiden. Weißt du etwa nicht in welchen Alter Hecuba angefangen hat zu dienen, in welchen Croesus, in welchem Platon? Nichts soll dich davon abhalten mild und vertraut mit deinen Sklaven zusammen zu leben indem du sie zum Gespräch hinzuziehst, mit ihnen isst und mit ihnen teilst. Denke daran, dass die, die du deine Sklaven nennst aus derselben Wurzel entstanden sind, unter demselben Himmel genießen, genauso atmen, genauso leben und genauso sterben. Ich will dich nicht länger aufhalten bei der Betrachtung dieser Angelegenheit. Ich werde dir nur diesen einen Hinweis geben um dich in deiner inneren Haltung zu bestärken: Mögest du doch mit einem niedrig gestellten so leben, wie du willst, dass ein höher gestellter mit dir lebt. Lebe wohl.

Lektion 44


Ein Fall für Iustitia
Sportverletzung: Als einige Sklaven Ball spielten stieß einer von diesen gegen einen anderen Sklaven, der versuchte den Ball zu fangen. Dieser fiel und brach sich das Bein. Dessen Herr trat zu einem gewissen Melan heran, ein rechtskundiger Mensch. Einer meiner Sklaven kann seine Pflichten, durch die Schuld eines Anderen nicht mehr erfüllen. Er fehlt mir sehr denn viele Arbeiten müssen verrichtet werden. Ich muss mir einen neuen Sklaven kaufen. Kann ich gegen jenen wegen Sachbeschädigung prozessieren, der meinen Sklaven gestoßen hat? Muss jener den Schaden durch den ich betroffen bin ersetzen oder muss jener keine Strafe zahlen? Unfall beim Friseur: Als einige Leute Ball spielten warf einer von ihnen so heftig, dass er auf die Hände eines Friseurs fiel, welcher gerade einen Sklaven rasierte. So geschah es, dass der Friseur dem Sklaven die Kehle durchschnitt. Dieser starb aufgrund dieser Wunde. Seinen Herrn einen nicht sehr reichen Greis schmerzte das sehr da er seinen besten Sklaven verloren hatte. Deshalb fragte er einen bestimmten rechtskundigen Menschen. Wer muss nach dem aquilischen Gesetz den Schaden wieder gutmachen. Nächtliche Schlägerei: Ein Wirt hatte bei Einbruch der Dunkelheit eine Öllampe vor sein Wirtshaus gestellt. Einer der vorbei ging nahm diese Lampe mit. Der Wirt verfolgte den nächtlichen Dieb. Als er ihn erreicht hatte rief er aus: Du musst die Laterne zurückgeben. Der Dieb aber floh nach dem er den Wirt zurückgestoßen hatte. Dieser versuchte den Fliehenden zurückzuhalten. Daraufhin fing der Dieb an ihn mit der Peitsche zu schlagen. Nachdem daraus ein ziemlich großer Streit entstanden war stach der Wirt dem Dieb ein Auge aus. Er glaubte, dass er nichts befürchten müsse, da er ja zuerst mit der Peitsche geschlagen worden war. Dennoch suchte er am nächsten Tag das Haus des gewissen Alfeni, ein Mensch von höchster Klugheit auf und fragte ihn wer nach dem aquilischen Gesetz haftbar sei

Lektion 45


"In diesem Zeichen wirst du siegen"
Maxentius hielt sich in Rom auf. Denn das Orakel hatte ihm gesagt, dass er außerhalb der Mauern von Rom im Krieg umkommen würde. Als er selbst dem Tod entfliehen wollte befahl er den treuen und geeigneten Anführern diesen Krieg zu führen. Weil er mehr Männer als Konstantin hatte war er sich sicher, dass seine Soldaten siegen werden. Konstatin bewegte alle seine Truppen näher an die Stadt heran und ließ sich gegenüber der malbische Brücke nieder. Genau an dem Tag, an dem Maxentius 5 Jahre zuvor die Herrschaft übernommen hatte. Konstantin ruhte sich aus um Körper und Seele wiederherzustellen. Während er zufällig den Himmel betrachtete erschien ein Kreuz, das in hellen Licht erstrahlte und auf dem folgende Worte geschrieben waren: "In diesem Zeichen wirst du siegen". Sofort befahl Konstantin, die Schilde der Soldaten mit dem Zeichen Christi zu bemalen. Mit diesem Zeichen bewaffnet ergriff das Herr die Waffe. Und sie überschritten ohne den Feldherrn die Brücke um die letzte Schlacht zu schlagen. Die Heere stießen in gleicher Aufstellung zusammen und es wird auf beiden Seiten mit gleicher Kraft gekämpft. In Rom entstand ein Aufstand und Maxentius wurde als Verräter des Staats und der Stadt verhöhnt. Plötzlich rief das Volk mit einer Stimme aus, dass Konstantin nicht zu besiegen sei. Weil Maxentius durch diese Sache heftig beunruhigt war befahl er, dass die sybillinischen befragt werden. In diesem ist gefunden worden, dass genau an diesem Tag der Feind der Römer sterben würde. So ging er aus der Stadt von der Hoffnung auf den Sieg verleitet und kam in die Schlacht. Als er erblickt wurde, wurde der Kampf heftiger. Die Hand Gottes lastet auf der Schlacht: Maxentius Heer wurde in die Flucht geschlagen und er selbst floh zur Brücke zurück. Durch die große Menge an Fliehenden wurde er dort gedrängt und in den Fluss Tiber gestürzt. Nachdem der Krieg beendet worden war, wurde Konstantin mit größter Freude des Senats und des römischen Volkes in die Stadt aufgenommen. Ein Jahr später gab er den Christen und allen anderen die freie Möglichkeit der Religion zu folgen welcher jeder Einzelne von ihnen gewollt hatte.

Lektion 46


Galla Placidia- Eine Christin zwischen den Fronten
Galla Placidia, die Tochter des Kaisers Theodosius strebte schon als Jugendliche in höchstem Maße um den christlichen Glauben und sie folgte den Grundsätzen und Vorschriften der Religion von ganzem Herzen. Und durch das christliche Gesetz veranlasst zeigte sie Frömmigkeit und Pflichtgefühl. Als die Goten unter der Führung des Alagics die Stadt Rom erobert hatten wurde Galla Placidia von einem gewissen Athaulfus gefangen und weggeführt. Als dieser nach dem Tod Alaricus auf den Thron nachgefolgt war nahm er diese zur Frau. Nachdem Placidia aber durch die Ehe mit dem barbarischen König verbunden war, war sie dem römischen Staat von großem Nutzen, als ob die Römer sie den Goten durch ein göttliches Urteil als Geisel gegeben hätten. Athaulfus wünschte nämlich brennend nicht nur den römischen Namen auszulöschen und das ganze römische Reich zu gotischem Reich zu machen sondern auch selbst zu werden was einst Kaiser(Übersetzung für Caesar) Augustus gewesen war. Aber Galla Placidia eine überaus scharfsinnige und stark gläubige Frau versuchte Athaulfus von dieser Tat abzuhalten indem sie fast Folgendes sagte: Befiehl den Deinen auf einen Krieg zu verzichte. Lass nicht zu, dass das alte und heilige Rom untergeht. Es steht genügend fest, dass die Goten die Gesetze überhaupt nicht befolgen können. Doch ein Staat ohne Gesetze ist kein Saat. Weißt du etwa nicht, dass Friede und Eintracht sowohl den Römern als auch den Goten nutzen werden. Daher halte dieses Reich unbeschädigt und versöhne die Goten mit den Römern. Mit solchen Worten überredete Galla Placidia ihren Ehemann seinen Plan fallen zu lassen. Von da an bis zu seinem Tod suchte Athaulfus den Ruhm für sich darin den Namen Roms wiederherzustellen und noch zu vergrößern und er setzte alle Kräfte der Goten für die Erhaltung Roms ein. Nach seinem Tod gingen die Goten mit den Römern sogar ein Bündnis ein und sie gaben Galla Placidia die bei ihnen ehrenvoll behandelt worden war den Römern zurück. Diese stand viele Jahre nachdem sie Augusta genannt worden war in gerechter und frommer Weise an der Spitze Roms und des römischen Reiches.

Lektion 47


Freut euch des Lebens-Zeitlose Lieder
Ecce gratum Schau! Der liebliche und ersehnte Frühling bringt die innere Freude zurück. Die veilchenfarbene Wiese blüht, die Sonne macht alles heiter. Sofort mögen Traurigkeiten vergehen! Der Sommer kehrt zurück, nun weicht die Strenge des Winters zurück. Schon wird der Hagel, der Schnee und das Übrige flüssig und schmilzt, der Frost flieht und schon saugt Mutter Erde an des Frühlings Brüsten. Jenem ist die Seele unglücklich, der weder lebt noch ausgelassen ist, unter der starken Hand des Sommers. Sie rühmen sich und freuen sich an der (Honig-)Süße des Glücks. diejenigen, welche es wagen, sobald sie in den Genuss der Belohnung des Gottes der Liebe kommen. Auf Gebot von Venus mögen/ sollen wir rühmend und uns freuend Paris ebenbürtig sein! Gaudeamus igitur Also lasst uns fröhlich sein, solange wir jung sind! Nach der heiteren Jugend, nach dem beschwer-lichen Alter wird uns die Erde haben. Unser Leben ist kurz, es wird in Kürze beendet sein. Der Tod kommt schnell, er raubt uns trotzig; niemand wird verschont. Ein Hoch auf alle leicht zu gewinnenden/ leichtlebigen (und) hübschen Jungfrauen/ Mädchen! Ein Hoch auch auf die zärtlichen, liebenswürdigen, guten, arbeitsamen (Ehe-)Frauen

Lektion 48


Der Heilige und der Drache
Eines Tages gelangte Georgius in die Stadt Silenam. In der Nähe war ein See der aussah wie ein Meer und in dem ein Drache verborgen war. Dieser verpestete die Luft mit seinem giftigen Atem jedes mal wenn er an die Mauer der Stadt herantratso, dass die meisten Bürger zu Grunde gingen. Täglich gaben die Bürger ihm zwei Schafe um sein Toben zu beschwichtigen. Als aber die Schafe schon beinahe ausgegangen waren fügten sie einem Schaf einen Menschen hinzu. Eines Tages aber ist die Tochter des Königs vom Los ergriffen worden. Darauf sagte der König: Nehmt das Silber, nehmt das Gold und die Hälfte meines Königreiches, aber lasst mir meine Tochter. Darauf das Volk: Du oh König willst nach dem Tod unserer Kinder deine Tochter retten. Wenn du bei deiner Tochter nicht erfüllst was du den Anderen befohlen hast, werden wir dich und dein Haus anzünden. Da sah der König das er seine Tochter nicht befreien konnte und er ließ sie nachdem er sie mit königlicher Kleidung ausgestattet hatte und sagte. Wäre ich doch vorher gestorben als das ich dich so verliere. So ging die Tochter zum See. Georgius sah sie weinen und fragte was sie habe, und jene antwortete: Guter junger Mann fliehe damit du nicht mit mir stirbst. Ich werde nicht von hier weggehen bevor du mir nicht gesagt hast was du hast. Als er dies alles gehört hatte sagte er: Fürchte dich nicht Tochter, ich werde dir im Namen Christi helfen. Während sie dies sprachen kam der Drache und hob sein Haupt aus dem See. Da stieg Georgius auf sein Pferd bewaffnete sich mit dem Kreuz und griff den Drachen kühn an und verwundete ihn schwer mit der Lanze, warf sich zu Boden und sprach zu dem Mädchen: Tochter wirf deinen Gürtel um den Hals des Drachen. Als sie dies getan hatte folgte er ihr wie ein zahmer Hund. Als sie ihn in die Stadt führte fingen die meisten Bürger an zu fliehen. Da sagte Georgius: Fürchtet euch nicht glaubt nur an Christi. Jeder einzelne von euch wird getauft werden, dann töte ich den Drachen. Nachdem alle getauft worden waren tötete Georgius den Drachen und schrieb vor, dass er auserhalb der Stadt getragen werde. Der König aber baute zu Ehren des Georgius eine Kirche wo eine Quelle floß welche die Kranken heilte. Georgius aber lehnte ab und befahl das sie den Armen gegeben werde.

Lektion 49


Die Klage des Friedens
Zuerst betrachte, was für ein Zustand der Frieden sein mag, wie beschaffen der Krieg, was jener an Gutem, was dieser an Schlechtem mit sich bringen mag; und so könntest du auch in die Erwägung hineingehen („in Betracht ziehen“), es möge etwa nützlich sein, Frieden in Krieg einzutauschen/ Frieden gegen Krieg zu tauschen! Wenn nämlich ein Königreich, das in jeder Hinsicht mit sehr be-trächtlichen Dingen glänzend ausgestattet ist, mit trefflich gegründeten Städte, geschickt bestellten Feldern, sehr guten Gesetzen, sittlich sehr ehrenhaften Grundsätzen und sehr tugendhaften Sitten eine geradezu bewundernswerte Sache ist, denke bei dir: Diese Glückseligkeit muss ich stören, wenn ich einen Krieg in Bewegung setze/ beginne. Auf der anderen Seite, wenn du irgendwann die Ruinen der Städte, die zerstörten Dörfer, die niedergebrannten Tempel, die verwüsteten Felder betrachtet hast, bedenke, dass dies die Frucht des Krieges ist! Wenn du Raub, Vergewaltigung, Mord an nahen Verwandten für schändlich hälst: Der Lehrmeister von all(en) diesen (Dingen) ist der Krieg. Wenn es aber dein Glück ist, Oberfehl über glückliche (Menschen) zu haben, musst du hauptsächlich Frieden pflegen. Denke dir den gerechtesten Grund für einen Krieg aus, denke dir den glücklichsten Ausgang aus, auch solltest du eine Berechnung anstellen über alle Nachteile, mit/ unter denen Krieg geführt wurde; und die Vorteile, welche ein Sieg bereitet, und überlege, ob es sich etwa gelohnt hat, zu siegen! Kaum jemals gelingt ein Sieg ohne Blutvergießen/ Verluste. Dazu addiere den Verlust von Moral/ Sitten und öffentlicher Ordnung! Du erschöpfst die Staatskasse, plünderst das Volk aus, belastetest die Guten, treibst die Nichtsnutze/ Schlechten zu einer Schandtat an. Nachdem der Krieg geschlagen worden ist, sind die Überbleibsel des Krieges aber nicht auch unverzüglich zur Ruhe gekommen. Die Künste verlieren an Ansehen, Handelsgeschäfte werden eingeschränkt. Schau, wie groß du die Sache betrieben haben wirst! Aber vielleicht scheint es dir weniger ein Zeichen von Großmut zu sein, wenn du irgendetwas an Ungerechtigkeiten vergelten würdest; nein, im Gegenteil, es gibt keinen sichereren Beweis für eine feige und sehr wenig königliche Gesinnung als sich zu rächen. Du solltest nicht glauben/ glaube nicht, dass deinem Ansehen etwas abgeht, wenn du mit dem angrenzenden/ benachbarten Führer verhandelst und von deinem Recht ein klein wenig abweichst.

Lektion 50


Entdeckung einer neuen Welt
Innerhalb von dreiundreißig Tagen nach der Abreise gelangte ich in das Indische Meer, wo ich sehr viele Inseln, die sehr häufig bewohnt worden waren, fand. Von all diesen (Inseln) nahm ich Besitz für unseren vom Glück sehr begünstigten König, wobei niemand widersprach. Um mir die Menschen leichter geneigt zu machen und damit sie zur Liebe gegenüber dem König, der Königin und sämtlichen Menschen in Spanien bereit waren und auch, damit sie sich bemühten, uns diese Dinge, welche sie selbst im Überfluss haben und an denen wir Mangel haben, zu übergeben, gab ich ihnen viele schöne und willkommene Dinge, welche ich mit mir gebracht/ „mitgebracht“ hatte. Sie sind freilich ängstlich und voller Furcht, aber sobald sie sich sicher glauben, sind sie sehr natürlich und gutgläubig und in allem, was sie haben, äußerst freizügig. Sie kennen keine Götzenverehrung; im Gegenteil, sie glauben, dass alles Gute im Himmel sei und dass ich von dort mit diesen Schiffen und Seeleuten herabgestiegen bin. Und in diesem Geiste wurde ich überall aufgenommen, nachdem die Angst vertrieben war. Und sie sind auch nicht träge oder unkultiviert, sondern von sehr hohem und sehr scharfem natürlichem Verstand. Sobald ich zu jenem Meer gelangt bin, habe von der ersten Insel einige Indios durch Gewalt an mich gerissen. Nach kurzer Zeit haben diese uns – und wir diese selbst – zuerst durch Gestik und durch Zeichen, darauf mit Worten verstanden; auf diese Weise waren sie uns von großem Nutzen. Obgleich sie sich lange mit/ unter uns aufhielten, glauben sie beständig, dass ich vom Himmel herabgestiegen wäre. Und sie waren die ersten, die dies, wo (immer) wir auch landeten, verkündeten, indem sie sagten: „Kommt, kommt und seht die Leute aus dem Himmel!“ Deshalb/ deswegen betrachteten uns die Frauen und Männer, die Jungen und Alten um die Wette mit sehr großer Liebe und auch mit unglaublichem Wohlwollen/ Zuneigung, wobei die einen Speisen, die anderen etwas zu trinken brachten. Die Menschen von all diesen Inseln unterscheiden sich in nichts untereinander im Aussehen, in Sitten (und) Sprache, was sehr nützlich für das ist, was, glaube ich, unserer Durchlaucht am Herzen liegt: natürlich die Bekehrung von ihnen zum heiligen christlichen Glauben, dem sie sehr zugänglich zu sein scheinen. Außerdem verspreche ich, dass ich unserem äußerst schwer zu besiegenden König so viel (an) Gold geben werde, wie er brauchen würde, soviel aber an Gewürzen, an Baumwolle, Gummi und an Aloeholz, wie seine Majestät würde eintreiben wollen.