Cursus A






Lektion 31


Überraschung
Caesar erwartete die Ankunft Kleopatras, über die er so Wunderbares gehört hatte. Zwar hatte er den Wachen befohlen, ihre Ankunft sofort zu melden, doch er zweifelte, ob die Königin überhaupt in den Palast gelangen konnte.Denn er wusste, mit was für einer Mühe die Freunde des Ptolemaeus alle Zugänge zum Palast geschlossen hatten. Es war ungewiss, was jene unternommen hatten, damit Kleopatra abgehalten wurde, den Palast heimlich zu betreten. Während er derartig überlegte, trat einer von den Freunden ein, wobei er sagte: „Hör Caesar! Nicht weit vom Palast ist ein Mann ergriffen worden, während er aus einem kleinen Schiff stieg. Er trug eine große, in eine Decke eingewickelte Last. Er bestätigte, dass er ein Geschenk der Kleopatra bringt. Was …?“ Sofort sagte Caesar: „Führ ihn zu mir!“ Kurz danach wurde ein Mann herbeigeführt, der eine nicht zu erkennende, längliche Sache auf seiner Schulter trug. Ohne zu zögern legte er die Last vor Caesar nieder.Dann: „Nimm das, von Kleopatra geschickte, Geschenk an, Caesar!“ Sofort befahl Caesar, dass dieses ausgepackt wird. Wie er ins Staunen geriet, als er plötzlich eine Frau sah, die aus der Decke aufstand. Diese sagte ihm, während sie ihn mit funkelnden Augen anblickte, mit hoher Stimme:„Sei gegrüßt Caesar! Ich bin Kleopatra, die Königin Ägyptens!“ Weil sie eine Frau von ausgezeichneter Schönheit war und mit Perlen und Gold glänzte, befiel Caesar eine so große Bewunderung, dass er lange schwieg.Es war für alle, die um ihn herum standen offensichtlich, wie sehr der Feldherr in Verwirrung geraten war. Schließlich brach Kleopatra die Stille mit einer schmeichelnden Stimme:„Ich bin gekommen, wie du befohlen hast; ich werde machen, was du von mir verlangst. Aber sag mir zuerst: Was wirst du mit Ägypten machen?“ Darauf sagte Caesar, weil er die Frau begehrte: „Ich werde machen, was du willst, Kleopatra.“ Diese sagte aber: „Mach, dass ich alleine Ägypten beherrsche!“

Lektion 32


Gift im Becher?
Unter den adeligen Ärzten, die Alexander mit sich führte, war auch Philipp. Dieser liebte den König sehr und verehrte ihn mit Treue. Er allein unter den Ärzten machte ihm Hoffnung mit ungefähr diesen Worten: "Du König, hast schnelle Heilmittel gefordert. Wie glücklich wäre ich, wenn ich dir die Krankheit schnell lindern könnte. Dies werde ich nur mit einem starken Heilmittel schaffen können. Also werde ich einen Heiltrank aus Kräutern brauen. Allerdings ist es nötig, dass dieser drei Tage köchelt, sonst wird er keine Gesundheit bringen, im Gegenteil, er würde dir sogar schaden, wenn du ihn überstürzt zu dir nimmst." Obwohl Alexander mit so viel Verzögerung nicht zufrieden war, erwartete er den Tag. Inzwischen hat er von Parmenion, seinem treusten Hofbeamten, einen Brief bekommen. Als er diesen las, ist er furchtbar erschreckt worden: "Hüte dich vor Philippus, mein König. Er plant auf dich einen Anschlag. Dareus hat ihn mit tausend Talenten bestochen. Er hat ihm die Hochzeit mit seiner Schwester versprochen." Alexander wusste nicht, was er tun sollte, so überlegte er folgendes: "Wenn er nicht von Parmenion geschrieben worden wäre, würde ich einen solchen Brief vernachlässigen. Nun bin ich aber unsicher, ob ich der Angst oder der Hoffnung folgen soll. Aber ich lasse mich durch die Furcht nicht unterdücken. Wenn die Götter gewollt hätten, dass ich im Zelt und nicht in der Schlacht umkomme, dann hätten sie nicht so viele günstige Gelegenheiten verstreichen lassen." An dem bestimmten Tag trat Philippus mit einem Becher, in dem das Medikament zurecht gemacht worden war, ein. Alexander hielt den Brief des Parmenion in der linken Hand, nahm den Becher an und trank unerschrocken. Dann befahl er Philippus, den Brief zu lesen und wandte seine Augen nicht ab, von dem Gesichtsausdruck des Lesenden und schätzte ab, ob er irgendwelche Anzeichen von schlechtem Gewissen erkennen konnte.

Lektion 33


Ein Schock für den Kaiser
Augustus 
ruhte
 nach 
dem 
Essen
 auf
 einer 
Liege, als
 plötzlich 
ein 
Wächter
 des
Schlafzimmers 
eintrat:„Verzeih
 mir, 
wenn 
ich 
deine 
Ruhe
 gestört 
habe. Der 
Tribun 
Patavinus 
fordert 
Zugang 
zu 
dir und 
sagt 
(sagend),
 dass 
die 
Sache
 keinen 
Aufschub 
dulde. Augustus 
schwieg
 lange. Schließlich:
„Was
 meldet 
er?Welche
 Sache 
ist 
von 
so 
großer 
Bedeutung, dass
 sie 
nicht 
auf
 den
 morgigen 
Tag
 verschoben 
werden 
kann?“ Sofort 
sagte 
der 
Wächter:
 „Weiß 
ich 
doch
 nicht! Jener 
versichert 
jedenfalls, 
dass 
er 
eine
 schlimme 
Botschaft 
aus
 Germanien
 bringe. “Da
 erhob 
sich 
Augustus, 
wobei
 er 
sagte 
(sagend): „Führ
 ihn
 heran!“ Kaum
 war 
der 
Tribun
 eingetreten,
 als 
Augustus 
fragte: „Aus
 welchem 
Teil 
Germaniens 
bist 
du 
gekommen? Welche 
Schreckensnachrichten 
bringst 
du?“ Sofort 
antwortete
 der
 Tribun: „Ich 
bin 
aus
 einer 
Stadt 
der
 Ubier 
gekommen. Aber 
mein 
Sinn
 schreckt 
davor 
zurück
 zu
 berichten,
 was 
in
 Germanien
...“ „Was 
ist 
mit 
Germanien,
 Rübennase? Habe
 ich
 denn
 dieses 
Land 
nicht 
unterworfen? Haben
 denn
 die 
Stämme
 der 
Germanen 
nicht durch
 Boten 
Frieden 
und
 Freundschaft des 
römischen
 Volkes 
erbeten?“ „Jenen 
Barbaren 
darf 
kein 
Vertrauen
 entgegengebracht 
werden. 
Q.
Varus 
jedenfalls 
hat
 ihnen
 zu 
viel 
Vertrauen 
geschenkt.“ „Was
 ist 
geschehen?
 Berichte!“ „Die
 Germanen 
haben
 Varus 
gebeten, einige
 Streitfälle 
zu 
entscheiden. Da
 sie
 die 
römische
 Gerechtigkeit mit 
schmeichelnden
 Lobsprüchen 
hervorhoben, ist 
Varus 
ohne
 irgendeinen
 Verdacht 
mit 
dem
 Heer mitten 
nach 
Germanien 
hineingezogen. Eine 
Nachricht 
ist
 zu
 uns
 durchgebracht 
worden, dass
 er
 in
 eine 
Falle 
der
 Germanen 
getappt 
sei und 
zusammen 
mit 
drei 
Legionen
 ermordet 
worden 
sei. “Da
 schrie 
Augustus,
 die 
Hände 
zum
 Himmel
 streckend: „Oh, 
Jupiter“, 
sagte
 er,
„mach, dass
 ich
 diese 
Niederlage 
ertrage!“ Man
 sagt, 
dass 
er 
so 
erschüttert 
worden
 sei, dass 
er 
viele 
Monate 
ungeschoren 
durch
 sein 
Haus
 irrte und
 manchmal 
so gar
 seinen 
Kösel
 an
 die 
Türpfosten
 schlug,
 wobei
 er
schrie:
„Varus,
 Varus,
 gib mir meine Legionen wieder!“

Lektion 34


Rückkehr eines Stars
Alcibiades übertraf die anderen sowohl an schlechten als auch an guten Eigenschaften. Auch wenn er allzu zügellos lebte und sich manchmal hochmütig benahm, war er ein glänzender und auch ausgezeichneter Mann mit Begabung und Kriegserfahrung. Nachdem lange Zeit Krieg geführt worden war, ist jener von den Athenern zum Anführer gemacht worden. Aber während er die Truppen gegen die Spartaner führte, ist er in Athen von Feinden des Verbrechens gegen die Religion angeklagt worden und zum Tode verurteilt worden. Nach Kenntnis dieser Sache flüchtete er sich zu den Feinden und bot ihnen seine Dienste an. Diese nahmen ihn gerne in der Stadt auf. Nach vielen Erfolgen sind ihm so viele Ehren gezollt worden, dass nicht wenige missgünstig waren und er gehasst wurde. Aus Furcht vor Hinterhalten verließ er deshalb die Spartaner und begab sich zur Flotte der Athener. Dort wurde er mit großer Freude aufgenommen und zum Anführer gemacht. Sofort kam er den Athenern zu Hilfe und besiegte die Spartaner in einer Seeschlacht. Durch diesen errungenen Sieg war es ihm erlaubt, nach Athen zurückzukehren. Nachdem seine Ankunft verkündet worden war, stieg die gesamte Bürgerschaft zum Hafen von Piräus herab und strömte - obwohl viele Schiffe angelegt worden waren - zum einsamen Schiff von Alcibiades zusammen, um ihn aufzusuchen und mit Lobsprüchen zu preisen. Dieser stand am Bug und hörte die Menge, die immer wieder rief: „Bravo, Alcibiades!“ Sehr bewegt stieg er aus dem Schiff herab und tauchte in die Menge ein. Als ihm sogar wie einem Sieger von Olymp Ölzweige geschenkt wurde, konnte er die Tränen nicht halten. Alle führten ihn mit höchster Fröhlichkeit in die Stadt, alle hatten Bewunderung. Obwohl er mit so großen Ehren empfangen worden war, dachte er bei sich: „Mit wie viel Wut haben mich die Bürger neulich verurteilt, mit wie viel Leidenschaft haben sie mich nun empfangen! Wie launenhaft das einfache Volk ist, wie wankelmütig!“

Lektion 35


Rom brennt
Kaiser Nero wandelte mit einigen Gefährten durch den Königspalast und hielt den anderen, die zuhörten, einen Vortrag über griechische Tragödien. Dann wurden griechische Verse vorgetragen, als Nero plötzlich zum Fenster herantrat. Als er zur Stadt herabblickte, sagte er: „Meine Augen werden durch diesen Anblick sehr beleidigt. Wie hässlich sind diese alten Gebäude, wie eng diese Gassen und Straßen!“ Als einer von den Gefährten rezitierte: „Nach meinem Tod soll die Erde in Flammen aufgehen!“, sagte Nero: „Ja sogar zu meinen Lebzeiten!“ Und tatsächlich wurde Rom wenige Tage darauf durch ein Feuer verzehrt. Weil die Flammen sechs Tage und sieben Nächte hindurch wüteten, ergriff das Feuer fast alle Teile der Stadt und es bestand Gefahr, dass die ganze Stadt durch das Feuer zerstört wurde. Nero aber betrachtete in allen Nächten von einem hohen Turm aus die untergehende Stadt und besang – von der Schönheit der Flammen erfreut - den Untergang Trojas. Aber das Volk hatte nicht alle lebensnotwendigen Dinge, weil es so lange und so heftig durch diese Katastrophe niedergedrückt wurde. Deshalb fürchtete Tigellinus, ein Freund von Nero, dass ein Volksaufstand erwogen wurde. Auf sein Anraten öffnete Nero seine Gärten, errichtete Notunterkünfte, verminderte den Preis für Getreide. Obwohl sich die Bürger über die sehr hohe Not laut beklagten, befahl er trotzdem, dass ihm ein goldenes Haus gebaut würde. Aus diesem Grund kroch das Gerücht durch die Stadt, dass das Feuer auf Veranlassung Neros gelegt worden sei. Deshalb bemühte sich der Kaiser, den Verdacht von sich wegzulenken und die Schuld für das Feuer zu den Christen hinzuwenden. Er verurteilte diese zum Tode und versah sie in seinen Gärten mit grausamen Strafen.

Lektion 36


Tyrannenglück
Dionysius hatte bereits als Jüngling Herr von Syracus sein wollen. Nachdem schließlich höchste Amtsgewalt erworben worden war, erwies er sich als derartiger Tyrann, dass die Bürger nichts gegen seinen Willen zu tun oder zu sagen wagten. Er meinte, dass ihm selbst aber alles erlaubt wäre. Überdies führte er ein Leben in verschwenderischer Pracht und hatte Reichtümer im Überfluss: Ihm gehörten goldene (Speise-)Liegen, Gefäße aus Silber, schöne Gemälde, großartige Statuen. Und daher war sein Leben allen (Menschen) Gegenstand von Neid, viele bezeichneten ihn als glücklich. Obwohl seine Macht in Blüte stand, hatte Dionysius wegen der Bewachung dennoch immer Sklaven um sich. Er selbst verspürte nämlich schmerzlich, wie reich er war. Als Damocles, einer von den Gefährten, in einer Äußerung dessen Reichtum, Macht, die Pracht des königlichen Hauses erwähnte und dessen Leben als glücklich lobte, sagte er: „Also willst du, oh Damocles, selbst dieses Leben kennenlernen und mein Glück prüfen?“ Unverzüglich sagte Damocles, dass er selbst dies wolle. Deshalb befahl Dionysius, ihn auf ein goldenes Bett zu legen. Nachdem der Tisch mit den erlesensten Speisen beladen worden war und nachdem wohlriechende Stoffe verbrannt worden waren, standen Knaben von erlesener Schönheit am Tisch und bedienten sorgfältig. Damocles hielt sich für glücklich. Eben noch streckte er die Hand zum Tisch aus, als er über sich ein Schwert, das an einem Pferdehaar befestigt worden war, erblickte. Dieses Schwert war auf Anordnung von Dionysius so aufgehängt worden, dass es über seinem Hals schwebte. Dadurch wurde Damocles ein so großer Schrecken zugefügt, dass er nichts anderes mehr machte als die Augen auf das Schwert zu heften. Schließlich bat er den Tyrannen, dass es erlaubt wäre, wegzugehen. Er sagte: „Du hast mir hinreichend gezeigt, wie beschaffen dein Leben ist. Auf solche Weise will ich nicht reich sein.“

Lektion 37


Reiseziel Olympia
Am 10. Tag der Reise kamen wie in Olympia an, an jenen heiligen und berühmten Ort. Wie angenehm ist der Wals, wie groß das Stadion! Vor allem dem Tempel des Zeus (Juppiter) galt unsere größte Bewunderung. In seinem geschmückten Innenraum waren Abbildungen von Herkules, wie er seine 12 Arbeiten verrichtet. Doch niemals werde ich das Bild des Juppiter vergessen, das dort aufgestellt war, weil es von Phidias aus Gold und Elfenbein gemacht war. Es ist völlig klar, warum die Griechen dieses Ort, für den schönsten und heiligsten hielten, warum hier alle vier Jahre zu Ehren des Juppiter die sehr heiligen Spiele stattfanden. Auch habe ich aus einem gewissen Buch gelernt, dass Herkules die olympischen Spiele eingeführt hat, um allen Griechen eine Wohltat zu tun. Weil nämlich die griechischen Städte sich lange gegenseitig bekriegen, wollte er dem Hass und der Gewalt ein Ende setzen. Das Einführen dieser Spiele bewirkte, dass aus ganz Griechenland die besten und stärksten jungen Männer nach Olympia gerufen worden, um nicht mit Waffen, sondern mit ihrem Körper zu wetteifern. Dort wünschte sich jeder sehnlichst, am mutigsten zu ringen, am schnellsten zu laufen und die Diskussscheibe weiter zu werfen, als die anderen; ja sie versuchten sogar mit höchsten Kräften Herkules zu übertreffen. Wer aber war glücklicher, wen erwartete ein angenehmeres Leben, als die Sieger Olympias. Diese wurden in ihrem Heimatland mit höchsten Ehren aufgenommen, von hochberühmten Dichtern gefeiert und mit viel Geld beschenkt. Allerdings wünschten sich alle Völker sehnlichst, möglichst viele Sieger bei Olympia zu haben; von überall her kamen sehr viele Bürger nach Olympia um die Jugend Griechenlands beim wetteifern um den Sieg zu betrachten. Damit dieses möglich war, beschlossen die Städte Griechenlands für sich ein sehr gutes Gesetz. Dieses hinderte sie daran, Krieg zu führen, während die Olympischen Spiele stattfanden.

Lektion 38


"Störe meine Kreise nicht!"
G: Welche ist diese kleine Säule, welche die übrigen Gräber überragt? M: Ich weiß nicht. Warum gehen wir nicht hin? Niemand hindert uns daran, sie zu betrachten. G: (ein wenig später) Was sehe ich? Ganz oben auf dem Denkmal ist eine Kugel mit einen Zylinder gestellt. M: Beim Herkules! Ich glaube, dass wir vor dem Grabmal des Archimedes stehen. F: Ich gebe zu, dass ich diesen Namen schon einmal gehört habe. Weißt du, warum ihm die Bewohner von Syrakus ein derartiges Denkmal errichtet haben? M: Das ist ein Denkmal sowohl an dessen Klugheit als auch des Dankes der Bürger. Denn Archimedes hat sich großen Ruhm erworben, weil der Kriegsgeschütze nicht nur erfunden, sondern auch gebaut hatte. G: Und die Geschütze gab er den Syrakusanern zum Geschenk. Hat er nicht deretwegen sein Leben verloren? M: Deine Worte ermuntern mich, dir zu erzählen, welches Ende er erfahren hat. Vor einigen Jahrhunderten belagerten unsere Vorfahren unter der Führung von Claudius Marcellus diese Stadt mit einer großen Anzahl von Schiffen. Und die Sache hätte Erfolg gehabt, wenn nicht zu dieser Zeit Archimedes in Syrakus gewesen wäre. Dieser hatte Geschütze verschiedener Größe auf den Mauern verteilt, von denen aus er gewaltige Felsbrocken auf die Schiffe werfen ließ. Nachdem/Weil Marcellus die Stadt vergeblich zu erobern versucht hatte, machte er mit ganzen Kräften auf dem Land einen Ansturm. Aber auch in diesem Teil waren Geschütze jeder Art verteilt worden. Schließlich bemächtigte sich Marcellus im dritten Jahr der Satdt und übergab sie seinen Soldaten zur Plünderung. Da er die Klugheit von Archimedes sehr bewunderte, befahl er den Soldaten ihn zu verschonen, obwohl er wahrgenommen hatte, dass dieser seinen Sieg lange aufgehalten hatte. Aber dieser hat dem Soldaten, der in das Haus eingedrungen war und mit gezückten Schwert fragte, wer er denn wäre, seinen Namen nicht angegeben. G:Fürchtete er nicht, dass er umgebracht würde, wenn er den Befehl des Soldaten missachtete? M: Vielleicht hat er nicht gut gehört; denn im Geist und mit auf die Erde gehefteten Augen zeichnete er geometrische Figuren. Während er den Staub mit den Händen schütze, sagte er nur: " Bringe diesen nicht in Unordnung!" G: Und die Figuren sind durch dessen Blut in Unordnung gebracht worden.

Lektion 39


Konsequent bis in den Tod
Sokrates hielt vor den Richtern eine sehr weise Rede, trotzdem aber es gelang ihm nicht jene davon zu überzeugen, dass er unschuldig war. Er hat nämlich so für sich gesprochen, dass er nicht ein Bittender sondern der Lehrer der Richter zu sein schien. Man sagt, dass diese von der Rede so beleidigt waren, dass sie ihn verurteilten. Aber in Athen war es dem Verurteilten erlaubt seine Strafe selbst einzuschätzen. Sokrates aber selbst hat auf die Frage welche Strafe er verdiene folgendermaßen geantwortet: Ich habe verdient ,dass ich mit den höchsten Ehren und Belohnungen ausgezeichnet werde und ich glaube, dass ich besonders dieser Ehrung würdig bin die den olympischen Siegern zugeteilt wird, nämlich, dass mir in Prytaneo täglich Nahrung auf Staatskosten gereicht wird. Nachdem sie diese Worte gehört hatten gerieten die Richter so in Zorn, dass sie Sokrates zum Tode verurteilten. Dieser nahm diese Meinung nicht nur mit Gelassenheit auf, sondern hielt vor den Richtern sogar eine weitere Rede. Man sagt, dass er diese mit folgenden Worten beendet habe: Wer ist glücklicher als ich, ich halte nämlich für sicher, dass die die gerecht gelebt haben in den Himmel aufsteigen und zu den Göttern zurückkehren von denen sie aufgebrochen sind. Deshalb habe ich keinen Grund warum ich zornig auf euch sein sollte. Aber schon ist es Zeit für mich von hier wegzugehen um zu sterben und für euch um das Leben weiter zu leben. Dann erwartete er im Kerker den Tod, er wollte auch nicht fliehen, obwohl ihn seine Freunde aus der Haft herausführen wollten, er glaubte nämlich, dass er den Gesetzen und seinen Lehren folgen müsse. So nahm er am letzten Tag des Lebens mit unerschütterlichem Geist den Gifttrank aus der Hand des Henkers, während er mit seinen Freunden über die Unsterblichkeit der Seele redete. Während Sokrates den Becher zum Mund bewegte soll seine Frau Xanthippe gerufen haben: Erträgst du etwa unschuldig zu sterben? Doch jener antwortete: Was soll das jetzt? Hast du etwa gemeint, dass es besser für mich sei schuldig zu sterben?

Lektion 40


Ein Berg explodiert
Schon viele Tage hindurch hatte die Erde gebebt. Dann aber ist das Beben so vergrößert worden, dass wir glaubten alles würde vernichtet werden. Eine große Furchtvor dem Einsturz befiel uns, deshalb sind wir aus den Häusern gestürmtund haben uns auf dem Feld niedergelassen. Es war fast die sechste Stunde des Tages, als wir sahen, wie aus dem Vesuv feuerstöße und Flammen mit großer Wucht in die Höhe schossen. Und aus dem Gipfel des Berges stieg eine gewaltige Wolke zum Himmel auf, von welcher eine große Menge Erde und Asche herunterfiel, die alles bedeckte. Da hatten wir nicht mehr die Möglichkeit uns Zeit zu lassen und zu warten, sondern die Zeit war gekommen wegzugehen und nachzugeben. Sofort machten wir uns zur Flucht bereit. Die breite Massefolgte (uns) völlig verschrekt, es drängte uns und stieß uns (nach vorne). Als wir die Stadt verlassen hatten hielten wir an. Wir sahen wie das Meer gewissermaßen durch das Beben der Erde zurückgetrieben wurde. Nichteinmal mit Schiffen konnten wir entkommen. Da sank eine schwarze Wolke auf die Erde und meine Mutter sagte:" Ich bin bereit zu sterben und ich werde beruhigt sterben, wenn ich nicht für Dich der Grund des Todes sein werde. Fliehe ohne mich um zu leben!" Doch ich erwiderte:" Ich werde nicht wohlbehalten sein, wenn nicht gemeinsam mit Dir." Und ich ergriff ihre Hand. Aber de Asche verdunkelte dadurch, dass sie ununterbrochen herab sank allmählich die Sonne, wir setzten unsere Flucht fort.Ich blickte zurück: ein dichter Qualm folgte uns. In dem Bestreben schneller heranzukommen, verließen wir die Straße um die Menschenmasse zu vermeiden. Plötzlich senkte sich eine tiefe Nacht über unsund wir hatten nicht mehr die Möglichkeit das Gelände zu erkennen.Wir ließen uns nieder. Immer mehr wurden wir mit Asche bedeckt. (Nur noch) das Jammern der Frauen, das Weinen der Kinder (und) das Geschrei der Männer würde gehört.Einige wünschten, aus Angst vor dem Tod, den Tod herbei. Auch wir fühlen, dass wir dem Tod (ein Stück) näherwaren. Endlich verzog sich der Qualm; der Tag zeigte sich wieder; sogar die Sonne leuchtete hervor. Wir verbrachten den Rest des Tages zwischen Hoffnung und Bangen, denn die Erde hatten nicht aufgehört zu beben.